Früher brachten Eltern ihren Kindern bei, dass man nicht mit dem Finger auf andere Menschen zeigt. Im Internet aber ist vieles anders. Facebook beispielsweise macht es seit einiger Zeit möglich, andere zu taggen – die Personen auf einem beliebigen Foto namentlich zu kennzeichnen, ob sie es wollen oder nicht. Diese neue Kulturtechnik bedeutet nichts weiter, als virtuell den Finger auf jemanden zu richten.

Facebook erweitert es nun auf den Raum des realen Lebens, neuerding kann man auch diejenigen benennen, die sich an bestimmten Orten aufhalten.
Möglich macht das der neue Dienst Places. Wenn sie diese Funktion aktivieren, können Facebook-Nutzer anderen nicht nur mitteilen, was sie gerade tun, sondern auch, wo sie sich befinden. Doch wie schon mehrfach zuvor geht Facebook in der Enttarnung seiner Kunden noch einen Schritt weiter. Wer, um ein negatives Beispiel zu wählen, einen Bekannten aus einem Sexshop kommen sieht, kann nun den Namen des Betroffenen mit dem Ort verknüpfen – für viele andere sichtbar.

Und der Werbeindustrie eröffnet Lokalisierung völlig neue Dimensionen. Gut denkbar, dass schon in wenigen Jahren Läden Werbung oder Rabattangebote gezielt auf die Geräte vorbeilaufender Passanten spielen – weil sie sie schon durch frühere Einkäufe kennen und weil sie dank Places & Co. wissen, dass sie in der Nähe sind.

Diese Funktion, die das Zeigen auf andere erlaubt, ist beunruhigend. Man sollte vielleicht wissen, dass Places etwas spielend möglich macht, wovor Datenschützer schon lange warnen: Profilbildung. In seinem Gutachten für das Bundesverfassungsgericht zur Vorratsdatenspeicherung hat der Chaos Computer Club schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass moderne Mobiltelefone “Ortungswanzen” gleichkommen. Das bezog sich allerdings nur auf staatliche Behörden und deren Überwachungsmöglichkeiten. Dienste wie Places sparen dem Staat viel Geld, überwachen wir uns damit doch selbst!

Lokalisierung kann unheimlich nützlich sein, aber auch sehr riskant, wenn sie missbraucht wird. Und das geht auch mit Places. Denn nicht nur Menschen, auch Orte können getaggt werden. Was ebenfalls nicht immer schön ist. Beispielsweise, wenn plötzlich die eigene Wohnung als Freibierschankstelle angezeigt wird, obwohl man eigentlich allein sein wollte. Wer den lästigen Hinweis loswerden will, dem hilft nur noch eine Mail an Facebook und die Hoffnung, dass man den Tag dort schnell wieder löscht, oder einfach gar nicht bei Facebook registriert sein..

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